Wednesday, September 27

Ohne Grenzen

Der Islam regelt recht umfangreich die do's und dont's im Leben eines Muslim. Wieviel Gebete täglich zu verrichten sind; welche Hand für was zuständig ist; wer neben wem zu sitzen hat. Im Iran ist der Glaube keine Privatsache, viele religiöse Regeln haben Gesetzeskraft. Dies wird von jungen Iranern als zu starr empfunden, viele suchen auf eigenem Weg nach der persönlichen Freiheit. Sie wissen sehr wohl, das es auch anders sein kann. Satelliten-TV ist weit verbreitet, wenn auch offiziell verboten und teilweise verfolgt. Das Internet ist längst zu gross, um es noch wirksam filtern zu können. Persisch ist die vierthäufigste Sprache in webblogs, wird aber nur im Iran und Teilen Afghanistans gesprochen.



Wie es auch aussehen kann, wenn junge Iraner Grenzen überschreiten, hat mir einer mal erzählt. Ganze acht Freundinnen hat er, wohl wissend, dass die auch mehrere Partner haben. Kein Sex vor der Ehe, Jungfräulichkeit, Enthaltsamkeit; all das hat er auf den Schrotthaufen der Moral geworfen. Ihm geht es nur um Triebbefriedigung, so ehrlich war er immerhin.
Und wo lernt er eigentlich Frauen kennen? Es gibt keine Bars oder Diskos; in der Öffentlichkeit ist jeglicher Kontakt zum anderen Geschlecht verboten, selbst unter Studenten wird das beachtet. Kleines Beispiel: Als mich einmal eine Studentin deutsch reden hörte, fragte sie zuerst den anwesenden Deutschlehrer, ob sie mit mir sprechen dürfe. Und selbst dieser Kontakt war schon ein Novum, vor fünf Jahren undenkbar und mir erst einmal passiert. Wie und vor allem wo es nicht nur dieser Iraner trotzdem schafft, Frauen anzusprechen; das gibt's in der nächsten Maus.