Essen im Dunkeln
Heute beginnt der für Muslime heilige Monat Ramadan. Auf der Grossbaustelle, wo ich derzeit arbeite, ist davon nicht viel zu spüren. Die Ausnahme vom Fasten, die für Schwangere, Reisende, Kinder und eben auch körperlich schwer Arbeitende gelten, werden hier recht grosszügig ausgelegt. Ein bisschen religiöse Musik, das war's. Auch die Oberbauleitung, allesamt in Europa studiert, verzichtet nicht so gern. Welch starken Einfluss der Islam trotzdem hat, zeigt das im Privatzimmer gegessen wird, sonst absolut unüblich. Der Angestellte, dessen einzige Aufgabe ist, den Ingenieuren Tee zu servieren, muss keinen Zwangsurlaub nehmen. Denn nicht nur ich sorge für konstanten Bedarf. Fast könnte man glauben, in Europa zu arbeiten. Wäre da nicht der eigene Fahrer plus Jeep, der jedem Ingenieur zusteht. Oder der Mensch, der auf geheimnissvolle Weise meinen Abwasch verschwinden lässt oder meine Wäsche reinigt.

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