Thursday, September 14

Cheri Cheri Lady

Busse verbinden ein Land zuverlässig, das mehr als 4 mal so gross wie Deutschland ist. Und das für einen Preis, für den es kein Ticket von Dresden nach Leipzig gibt. Es ist aber nicht nur der “Geiz-ist-geil”-Fetisch, der ausgelebt werden darf, auch die Gespräche im Bus machen den Unterschied. Einmal zum Beispiel, als mich ein Iraner fragt, ob ich mich wohl neben ihn setzen wolle, er würde sich gern mit mir unterhalten. Nach dem Platztausch erzählt mir der Mathematikstudent, dass er auf dem Weg in seine 70 km entfernte Uni ist, um an einem Test teilzunehmen. Er, der Herr über Zahlen und mehr als Plusminusmaldurch, muss eine Prüfung über den ersten der zwölf Imame der Schiiten, Ali, ablegen. Damit nicht genug, berichtet er mir auch noch, dass er Fan von Modern Talking sei, und mit Hilfe von “Cheri Cheri Lady” und “Brother Louie” Englisch lernt. Plötzlich stockt er im Singen, wird leise und zieht den Busvorhang zur Seite. Es ist fast ein Flüstern, dass mir die heiss diskutierte iranische Atomanlage zu meiner Rechten verkündet.
Busfahren erweitert eindeutig den Horizont.