Schizophrene haben's leichter
Verkehrte Welt. Umso dunkler das Bild von Iran im Westen gefärbt wird, umso heller scheint sich dieses Land für Reisende zu präsentieren. Erwartet man düstere Szenen à la "Nicht ohne meine Tochter", geht die Sonne am Erwartungshorizont recht schnell auf, wenn man im Land ist. Die fast erdrückende Freundlichkeit; die stete Höflichkeit und weitere für Westler sehr angenehmen Eigenschaften der Perser lassen einen mitunter vergessen, dass man das Visum einer Diktatur im Pass hat. Ignoriert man Tschador-tragende Frauen oder die diskriminierende Geschlechtertrennung, muss man schon genauer nachfragen, um von Zeitungsschliessungen oder Studentenunruhen näheres zu erfahren.
Um diese Schizophrenie ertragen zu können, musste ich mir einfach markante Orte des Regimes anschauen. Orte, um diese Ambivalenz aushalten zu können.
Beispielsweise die ehemalige Botschaft der USA, Planungsort für verschiedene Anschläge seitens der CIA und, wohl bekannter, Ort der Geiselnahme von mehr als 50 Amerikanern für 444 Tage.

[Seit 27 Jahren immer wieder aktuell: Inschrift an der ehemaligen US-Botschaft in Teheran, diese bewacht von den Revolutionsgarden.]
Oder die als Foltergefängnis bekannte politische Strafanstalt Evin, im Norden Teherans. Was ich nicht ausdrücken kann, vermögen diese beiden Artikel aus der ZEIT. Einmal ein sehr lesenswertes Dossier über das Gefängnis, "wo die kritische Intelligenz eines ganzen Landes einsitzt - Schriftsteller, Chefredakteure, abgesetzte Minister".

[Haupttor des Gefängnis', umzäunt von einer kilometerlangen Mauer entlang der Berge.]
Zum anderen der schockierende Fall einer kanadisch-iranischen Fotografin, die nach nur drei Tagen in Evin so schwer misshandelt worden war, dass sie wenig später im Krankenhaus an den Folgen verstarb.

[Wer den ZEIT-Artikel gelesen hat, versteht das Bild.]























